Aerosolforscher: Draußen kaum Ansteckung von Jörg Göbel und Felix Klauser

Die Schließung von Parks und Ausflugszielen oder gar Ausgangssperren halten Aerosol-Experten für falsch. Das schreiben sie in einem offenen Brief an die Bundes- und Landesregierungen.

Leider werden bis heute wesentliche Erkenntnisse unserer Forschungsarbeit nicht in praktisches Handeln übersetzt.

Christof Asbach, Präsident der Gesellschaft für Aerosolforschung Stattdessen würden eher symbolische Maßnahmen wie die Maskenpflicht im Freien erlassen, die keinen nennenswerten Einfluss auf das Infektionsgeschehen erwarten lassen.

"Drinnen lauert die Gefahr"

Unter den Aerosoloforschern herrscht Konsens:

Die Übertragung der Sars-CoV-2-Viren findet fast ausnahmslos in Innenräumen statt.

Offener Brief der Aerosolforscher: Übertragungen im Freien seien äußerst selten und führten nie zu "Clusterinfektionen", wie das in Innenräumen zu beobachten sei. Zu diesen Gruppeninfektionen gehören bevorzugt Altenheime, Wohnheime, Schulen, Veranstaltungen, Chorproben oder Busfahrten. So kommen die Forscher zu dem Schluss:

Wenn wir die Pandemie in den Griff bekommen wollen, müssen wir die Menschen sensibilisieren, dass drinnen die Gefahr lauert.

Auch mehr Sport im Freien möglich

Die Ergebnisse der Aerosolforscher lassen sich auch auf Sport im Freien übertragen. Das bestätigt Bio-Physiker Gerhard Scheuch, Mitunterzeichner des offenen Briefes, gegenüber dem ZDF-Magazin Frontal 21. Für den Breiten- und Nachwuchssport gelten in den Bundesländern weitestgehend Beschränkungen, die je nach Sportart und Alter gelten. Scheuch verweist auf eine Studie aus Irland, bei der mehr als 200.000 Infektionen untersucht worden seien. Nur 0,1 Prozent der Ansteckungen hätten laut der Studie im Freien stattgefunden.

Daher gelte auch für den Sport im Freien, dass das Ansteckungsrisiko als gering einzustufen sei. Für eine Ansteckung sei eine gewisse Dosis nötig, um sich zu anzustecken. "Also man braucht einfach längere Kontakt Zeiten im Freien. Also ich denke mindestens 15 Minuten, sodass man sich überhaupt infizieren kann. Und die hat man halt bei den normalen Sportarten im Freien ja nicht, weder beim Fußball noch bei vielen anderen Sportarten", erklärt Scheuch. Mehr über die Corona-Situation im Breitensport berichtet Frontal 21 am Dienstag, 13. April, um 21 Uhr.

Diese Regeln empfehlen die Forscher zur Infektionsvermeidung

In ihrem offenen Brief erklären die Forschenden auch, welche "goldenen Regeln" ihrer Meinung nach unbedingt eingehalten werden müssten:

  • Infektionen finden in Innenräumen statt, deshalb sollten sich möglichst wenige Menschen außerhalb ihres Haushaltes dort treffen. Zusätzlich müsse man beachten, dass in Innenräumen auch dann eine Ansteckung stattfinde, wenn man sich nicht direkt mit jemandem treffe, sich aber ein Infektiöser vorher in einem schlecht belüfteten Raum aufgehalten hat.
  • Man sollte die Zeiten der Treffen und die Aufenthaltszeiten in Innenräumen so kurz wie möglich gestalten.
  • Man sollte durch häufiges Stoß- oder Querlüften Bedingungen wie im Freien schaffen.
  • Das Tragen von effektiven Masken ist in Innenräumen nötig. Die Experten erklären: "In der Fußgängerzone eine Maske zu tragen, um anschließend im eigenen Wohnzimmer eine Kaffeetafel ohne Maske zu veranstalten, ist nicht das, was wir als Experten unter Infektionsvermeidung verstehen. Dabei ist zu beachten, dass der Dichtsitz der Maske für ihre Effektivität mindestens genauso wichtig ist, wie die Abscheideeffizienz des Materials."
  • Raumluftreiniger und Filter sollten überall dort installiert werden, wo Menschen sich länger in geschlossenen Räumen aufhalten müssen (Wohnheime, Schulen, Alten- und Pflegeheime, Betreuungseinrichtungen, Büros und andere Arbeitsplätze).
  • In großen Hallen und Räumen ist die Ansteckungsgefahr viel geringer als in kleinen Versammlungsräumen, so die Forscher. Wenn man also wieder Theater, Konzerte, und Gottesdienste stattfinden lassen wolle, sollte das in großen gut gelüfteten Hallen stattfinden oder wenn möglich ins Freie ausgewichen werden.

Aerosol-Forscher fordern einen Kurswechsel bei den Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Seuche. Maskenpflicht im Freien hätten keinen nennenswerten Einfluss, die meisten Infektionen passierten in Innenräumen. Wie kann man die Gefahr dort möglichst gering halten? Der Aufenthalt drinnen sollte „so kurz wie möglich“ sein und es sollten möglichst „Bedingungen wie im Freien“ geschaffen werden.

Die Forscher empfehlen häufiges Stoß- oder Querlüften, effektive Masken sowie Raumluftreiniger überall dort, wo Menschen sich länger in geschlossenen Räumen aufhalten müssen – etwa in Pflegeheimen, Büros und Schulen. Aber welche Luftreiniger bringen wirklich was und worauf sollten Sie achten? Mobile Luftreiniger verfügen über ein Gebläse, das die Raumluft ansaugt, sie durch Filter leitet und die gereinigte Luft wieder an den Raum abgibt – sie sorgen also für einen Luftaustausch im Raum, ähnlich wie beim Stoßlüften.

Dabei saugt der Luftreiniger im unteren Bereich des Gerätes die virenbelastete Luft an, die zunächst in einen Vorfilter geleitet wird, der Staub und Schmutz abfängt. In der zweiten Filterstufe werden Viren und Bakterien aus der Luft festgehalten. Im Anschluss strömt die gereinigte Luft aus dem Gerät wieder in den Raum. Bestehende Raumluft wird mit der gefilterten Luft verdünnt und die potenzielle Virenlast soll so gesenkt werden. Neben den kleineren Geräten für den Haushaltsgebrauch gibt es größere, beispielsweise für den Einsatz in Klassenzimmern, Büros oder Betreuungseinrichtungen.

Luftreiniger

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